Sonntag, 8. Februar 2009

Frost / Nixon




Frost / Nixon (gesehen im Februar 2009) - Ron Howard
Meine Meinung: "1 = Ein Muss"

Cool. Sehr cool. Historie beim gemacht werden zu zuschauen, ist vielleicht nicht die aufregendste Art einen Abend zu verbringen, aber wie schon so oft sollte das Buch nicht gleich nach seinem Umschlag vorverurteilt werden. Richard Nixon, der erste und bis dato letzte Präsident der vorzeitig das Weisse Haus verliess um seiner unausweichlichen Amtsenthebung zuvorzukommen, willigt ein, sich mit dem in der Damalszeit berühmtestesten Klatsch-Talkmaster David Frost über sein Schicksal zu unterhalten. Goliath gegen David bzw. Nixon gegen Frost.
Diese 70ziger Genre-Kostüm-Theateradaption entwickelt einen Drive an dem sich einige Action-Regisseure ein Beispiel nehmen könnten. Gut gegen Böse, verschlagen gegen trickreich; hin und her geht es wie in einem guten Gerichtsthriller, der die Vorbereitungen der verschiedenen Seiten zeigt und im Kreuzverhör sprich Interview seinen Höhepunkt findet.


Jochens Websit/d/e

Donnerstag, 18. Dezember 2008

Kritik über "Quantum of Solace"




Quantum of Solace (gesehen im Dezember 2008) - Marc Forster
Meine Meinung: "2 = Cool"

Jahh. Geschafft, trotz kranker Kinder. Gut, gut, ich hör jetzt auch auf mit diesen privates-Leben-Querverweisen.

Also, Jakob Versprechens neueste Episode hat mich äusserst gut unterhalten. Diesmal war Bond wieder anders, bzw. die Umbauarbeiten die in "Casino Royal" begannen, werden hier konsequent und Zielführend weitergedrebucht. Ja, ja, ich weiss; wo ist der Bond-Style, ist die Frage die oft gestellt wird. Ich würde sagen, er ändert sich und zwar zum Interessanten hin. Die Story hat nichts mehr mit dem simplen schwarz-weiss Gehabe einer Welt zum Ende des letzten Jahrtausends zu tun. Wie auch im letzten Teil der Saga, blutet unser Held, ist er emotional vielschichtiger und es ist ihm anzusehen, wenn sechs Mann gleichzeitig versuchen ihm mit allem was zum schiessen verfügbar ist, einen neuen Scheitel zu ziehen.
Das bei derartiger Beanspruchung, auch der Wille zum Bonmot etwas leidet tut der Sache überhaupt keinen Abbruch. Jetzt muss nur noch die Kurve zu einem eigenen wieder unverwechselbareren jakobeigenem Stil gefunden werden, damit diese Vergleiche mit Jason Bourne, Ethan Hunt und den anderen Jungs im Viertel, ein für alle Mal ein Ende haben.
Was mir am besten gefiel, ist der Versuch aus der reinen Aktion ein bisschen auszusteigen und mehr mit Metaphern zu arbeiten bzw. mehr als nur die eine Geschichte zu erzählen. Das 16-20 jährige Zielpublikum wird solche Volten nicht goutieren wollen oder können, aber für mich alten Sack macht es das umso vergnüglicher.
Soll heissen; eine Vorstandssitzung während einer "Don Carlos" Aufführung im Zuschauerraum stattfinden zu lassen, ist szenisch sehr schön anzuschauen und gibt der aktuell ablaufenden Intrige einen wunderbaren historischen Flair. Gier und Macht waren schon immer die Motivatoren für Jakobs Gegenspieler, der in diesem Fall ganz wunderbar zwischen, linkisch, absoluter Menschenverachtung und managerhaftem Powerplay oszilliert.

Wenn also im nächsten Teil, es mal wieder zur Sache geht, wären mir ein paar wilde und hektische Filmschnitte weniger, lieb; ein paar knochenzerschmetternde Stürze weniger plausibler; eine Prise mehr von in Dr. No gezeigter Ruchlosigkeit, ein Plesier und ein Hauch von bond-girliger Attraktion genehm.


Jochens Websit/d/e

Montag, 15. Dezember 2008

Kritik über "Walz with Bashir"



Walz with Bashir (gesehen im Dezember 2008) - Ari Folman
Meine Meinung: "1 = Ein Muss"

Zuerst eine Randnotiz. Was bin ich froh den Film überhaupt gesehen zu haben. Seit 4 Wochen wechseln sich meine 3 Töchter mit Krankheiten, Ticks und andrem ab und verhinderten einen Kinobesuch. Aber ich habe es geschafft und wahrlich ich wurde reich belohnt!

1982 marschierte Israel in den Libanon ein und besetzte Beirut, wobei es zu den Massakern von Sabra und Shatila kam, bei denen die christliche Phalange den Tod Ihres Führers Bashir auf das brutalste rächte und hunderte wenn nicht tausende Palästinenser tötete. So ein Filmtthema ist eigentlich ein No-NO insbesondere wenn der Filmemacher auch noch selber Israeli ist.
Das es dennoch gelungen ist, scheint ein Wunder ist aber der Art der Umsetzung zu danken. Aus Zeitgeschichte wurde ein riesiger Comic und in dieser nicht der Realität verpflichteten Form lässt sich der ganze Wahn der Wirklichkeit formidabel nacherzählen.
Auch die Reduktion der geschichlichen Monströsität auf private Erlebnisse und Reflektionen ermöglicht einen Zugang zur jüngeren Geschichte des Nah-Ost-Konflikts in nie vermuteter Intensität.
Jeder Krieg wird meist von Teenagern geführt bzw. gekämpft. Mit dem Rüstzeug von 18 oder 19 Jahren hat niemand die Chance sich diesem Wahnsinn zu stellen ohne dabei verrückt zu werden oder sich den Chimären seines eigenen Gedächtnisses hinzugeben, welches gnädig entweder alles ausblendet oder so verziert, dass jeder mit den verbliebenen Bruchstücken seiner Erinnerungen leben kann.
Eine ganze Generation von jungen israelischen Männern hat so die letzten 25 Jahre verbracht bis der Alpdruck eines Protagonisten zu gross wird und er sich hilfesuchend an seine Exkameraden wendet.
Sein persönliches Problem keine Erinnerung zu haben kann gelöst werden und es klingt hoffnungsvoll auch unter solchen Umständen ein erfülltes Leben zu begehen, aber die getöteten Palästinensern bleiben tot und werden diese Chance nie bekommen.



Jochens Websit/d/e

Donnerstag, 13. November 2008

Kritik über "Gomorra"






Gomorra (gesehen im November 2008) - Matteo Garrone
Meine Meinung: "1 = Ein Muss"

Schnell schleicht sich das Gefühl, einen sehr, sehr guten Dokumentarfilm zu sehen ein. 5 Charaktere bzw. deren Umfeld leben ihr Leben in einem Irrsinn auf Erden. Was immer sich Ridley Scott in Blade Runner hat ausdenken müssen, wird von dieser italienisch/neapolitansichen Realität anno 2008 in die Tasche gesteckt.

Familienclans, die an einem Tag mehr Geld mit Drogen umsetzen, als manche Kleinstadt in ihrem jährlichen Budget hat, bekriegen sich, die Polizei und was immer sich ihnen in den Weg stellt, mit menschenverachtenden Konsequenz.

Geschäft ist Geschäft, ob nun Drogen verkauft, Giftmüll entsorgt oder Prêt-à-porter gefälscht wird. Einzig das eventuell tödliche Ende dieser Unternehmungen unterscheidet sie von einem normalen Wirtschaftsumfeld. Martin Scorsese hat es vorgemacht, aber seine spielfilmhaften Nachempfindungen verblassen gegen dieses nicht enden wollende Jammertal von Erwartungen, Schocks, menschlichem Verfehlen, jugendlicher Unbedarftheit, Verrat, Pflichterfüllung, gehirnamputierter Dämlichkeit, Machismo und eiskalt sichergestelltem Darwinismus.

Hut ab, dieses dem Film zu Grunde liegende Buch zu recherchieren war schon eine Meisterleistung für sich und bedroht den Schriftsteller / Journalisten Roberto Saviano immer noch mit dem Tod. Sich aber dann noch an den eigentlichen Ort zu begeben und dieser Hölle Bilder zu geben, die in surreal erscheinenden (auf der oberen Ebene dieses architektonischen Albtraums, windet sich eine Hochzeitsgesellschaft ihre Weg durch Reisregen und Sonnenschein und in der Ebene darunter jagen sich die Dealer lauthals brüllend gegenseitig den Stoff ab) Tableaus daher kommen, nötig einem mehr als Respekt ab.

Ich weiss nicht ob ich noch Buffala Mozzarella in der Zukunft essen werde, denn wenn nur die Hälfte dieser Geschichte wahr ist, dann sind 2/3 Drittel aller südlich Neapels liegenden Äcker, die wilde Müllkippe Europas für alles was in Seveso nicht richtig verbrannte oder in heutigen Produktionsprozessen schliesslich übrig bleibt.


Jochens Websit/d/e

Dienstag, 21. Oktober 2008

Kritik über "Hellboy II - The golden army"





Hellboy II - The golden army (gesehen im Oktober 2008) - Guillermo del Toro
Meine Meinung: "2 = Cool"

Einige der Trailer, die ich vorab im Internet oder Kino sah, liessen mich zweifeln ob es eine gute Idee wäre in diesen Teil 2 von Hellboy zu gehen. Krachend und deadpanmässig waren diese 30 Sekunden Appetithappen aufgebaut und somit eigentlich irreführend. Natürlich donnert und blitzt es an allen Ecken und Enden aber das wunderliche dieser Inszenierung ist der Wille und die Fähigkeit den Protagonisten Charakter zu gewähren. Freaks die sie nun mal alle sind, haben sie gewaltig normal menschliche Probleme.



Jochens Websit/d/e

Samstag, 18. Oktober 2008

Kritik über "Burn after reading"




Burn after reading (gesehen im Oktober 2008) - Ethan Coen, Joel Coen
Meine Meinung: "2 = Cool"

Mei; um es kurz zu machen; "Fargo" gefiel mir besser, weil es neben hervorragenden Schauspielerleistungen auch einen coolen, den Zuschauer fesselenden Plot gab. Ersteres gibt es in "Burn after reading" zu Hauf, eine besser als die nächste, alleine Tilda Swinton ist brutal unschlagbar oder dieser infantil nicht zu bändingende Trieb von Frances McDormand ist wunderbar bzw. was für Affen John Malkovich und Brad Pitt aus sich machen ist schwer zu toppen. Aber bei zweiterem gibts dann eigentlich nicht viel, ausser einer Menge Agentenfilmversatzstücke, die aber schliesslich in Nichtigkeiten enden. Somit überrascht es kaum, das eine der besten Szenen mit 2 nicht so bekannten Schauspielern abläuft, in der ein CIA Sektionsleiter, seinem Chef referiert was so alles passiert ist. Wobei die beiden ungläubig aber nicht unverzagt - es ist ja nun mal ihr Job sich mit Wahnsinn aller Colouer auseinanderzusetzen - die ganze Sache als "Clusterfuck" einordnen und nachdem alles geregelt ist, die Akte schliessen und zum nächsten Tagespunkt übergehen und die nicht unerhebliche Menge an Toten und zerstörten Schicksalen - sprich das Leben - einfach weitergehen lassen.

Jochens Websit/d/e

Sonntag, 7. September 2008

Kritik über "Wanted"





Wanted (gesehen im September 2008) - Timur Bekmambetov
Meine Meinung: "3 = Hat was"

Ja mei; eine oder zwei coole (also wirklich coole) Aktionszenen machen noch keinen Sommer. Leider. Solange unser Protagonist noch zweifelt, sich wie ein normaler Mensch verhält, Schiss hat und sich seiner selbst dabei nicht wirklich schämt, hat das ganze noch Charme und Witz. Wenn er aber dann einer der "Choosen One's" wird, geht dem Film mit jeder neuen Brutalität die es braucht um ihm sein neues Selbstverständnis einzubleuen, die Zuneigung des Zuschauers flöten.
Aber wie schon gesagt; der Aktionenszenen solange sie nicht wiederderholt werden haben es wirklich in sich.


Jochens Websit/d/e